Endotherapie setzt sich bei Gemeinden durch

Endotherapie
Impfung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln direkt in den Stamm

Bäume werden mit schonenderer Methode „geimpft“

Mit der „Endotherapie“ will die Stadt Altea ihren Bäumen einen schonenderen Schutz gegen diverse Schädlinge von Picudo Rojo über Tomicus destruens und Blattlaus bis hin zur Prozessionsraupe gewähren als es bisher angewandte Chemiekeulen und Sprühnebel taten. Begonnen wurde mit der Behandlung an den Avenidas Comunitat Valenciana und Corts Valencianes. Nicht nur sollen die behandelten Bäume weniger aggressiv angegangen werden, auch für die Menschen in der Umgebung, z. B. bei Schulen, liege der Verzicht z. B. auf gesprühte Chemie auf der Hand, so Alteas Umweltstadträtin Inma Orozco. Die Anwendungskosten werden niedriger liegen, die Effizienz höher, weil die selektive Anwendung von Mitteln, die sich dann über die Pflanzensäfte in der Pflanze verbreiten, so Orozco. Ausserdem setze Altea künftig auf Essig als umweltschonendes Herbizid.

Beauveria bassiana und die Zulassung

Von Dipl.-Ing. Erich Hübner

Pilzsporen sind zum Schutz und der Behandlung von Palmen von den spanischen Behörden nicht zugelassen, aber auch die chemischen Mittel haben diese Zulassung nicht.

Wie kann das sein? Wir haben in Spanien eine echte Katastrophe, ein Palmensterben biblischen Ausmaßes und die Administration, die uns bei solchen Katastrophen eigentlich helfen sollte verweigert sich.
Der Bürger kann das nicht verstehen. Seit 12 Jahren vernichtet der Käfer tausende von Palmen und die zuständigen Behörden waren in der Zeit nicht in der Lage Mittel zu testen die dem Einhalt gebieten!
Doch hier irrt der gutgläubige Bürger. Er denkt die europäischen und auch die spanischen Behörden prüfen Produkte um die Umwelt und ihn vor Schaden zu bewahren und erteilen, bei positivem Ausgang der Prüfung eine Zulassung. Die Praxis ist anders. Mit immens hohen Zulassungsgebühren wird er Markt geteilt, in Großkonzerne für die Gebühren von 600.000€ pro Produkt nur Kleingeld sind und die Andern die sich das nicht leisten können.
Ein besonders absurdes Beispiel dieser Vorgehensweise liefert Spanien selbst. Die Universität Alicante hat in mehrjährigen Forschungen, auch im Feldversuch, die Wirksamkeit von Beauveria bassiana zur Bekämpfung des roten Palmrüsslers nachgewiesen und einen noch stärker wirkenden Stamm dieser Pilzsporen entwickelt. Das fertige Produkt sollte Glen Biotech, ein Spin off der Universität Alicante, vertreiben. Forschung und Entwicklung wurden mit Steuergeldern finanziert, Die Firma Glen Biotech erhielt auch einen mit 40.000€ dotierten Preis für die Innovation. Eine Erfolgs Story made in Spain? Leider nicht. Die Firma hatte den Finanzbedarf der spanischen Administration unterschätzt. An den geforderten 600.000€ für die Zulassung ist die Idee letztlich gescheitert. Die verbliebenen Mitarbeiter bieten heute Beratungsleistungen an.
Aber warum gibt es keine Zulassung der Mittel von Großkonzernen wie Bayer die das massenweise eingesetzte Imidacloprid herstellt?
Das liegt ebenfalls am Finanzhunger der Behörden. Da man für jede Anwendung bezahlen muss lohnt es sich einfach nicht, für die geringen Mengen, die im Palmenschutz verkauft werden eine Zulassung zu beantragen. Zumal die Produkte sowieso verkauft werden, da sie für andere Zwecke durchaus eine Zulassung haben.
Im Fall Beauveria bassiana ist die Situation noch absurder. Der Pilz kommt natürlicherweise in spanischen Böden vor, allerdings in sehr kleiner Konzentration. Pilzsporen- Mittel sind also lediglich eine Konzentration einer spanischen Spezies die großtechnisch hergestellt wird. Beauveria bassiana ist für den Acker- und Obstbau in Spanien, Deutschland und anderen Ländern zugelassen, aber eben nicht für die Bekämpfung des roten Palmrüsslers.

Kopflose Palmen

Zwei Phoenix Palmen die Tage zuvor ohne jedes Anzeichen von Befall waren, haben im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf verloren. Die über hundert Kilogramm schweren Köpfe sind ohne Vorwarnung aus mehreren Metern Höhe auf dem Boden gestürzt. Eine Palme steht unmittelbar an der belebten Hauptstraße nach Alfaz del Pi. Freitag war Markttag. Viele Besucher gehen diese Straße entlang. Ein glücklicher Zufall, dass der Zaun den Kopf auffangen konnte und Personen nicht zu Schaden kamen. Der herabstürzende Kopf ist schwer genug um einen Menschen zu töten.
Die andere Palme steht in einem Privatgarten. Das Haus zurzeit nicht bewohnt. Einige Tage vorher spielten noch Kinder unter der Palme. Diese Palme ist Teil eines Monitoring zur Erfassung der Verbreitung von Schäden durch den Picudo rojo. In der Umgebung waren bereits mehrere Palmen erkennbar befallen. Dem Benutzer wurde mehrfach dringend geraten die Palme zu schützen. Da das Exemplar aber einen gesunden Eindruck machte, hielt der Besitzer eine solche Maßnahme nicht für nötig.
Bei den Palmen gemeinsam ist, dass Ihre Besitzer sie nicht behandelt haben. Beide Palmen hatten keinerlei sichtbare Anzeichen eines Befalles. Wie es scheint, ist der Populationsdruck der Käfer mittlerweile so groß, dass Palmen gleich massenweise befallen werden. Die dann einsetzende Freß- Orgie macht die Palmen in ganz kurzer Zeit kopflos.
Der Apell an alle Palmenbesitzer, öffentliche und private sich ihrer Verantwortung nicht nur für ihre Palmen, sondern auch für die Gefährdung die von unbehandelte Palmen ausgeht, zu stellen.
Dass es wirksame Mittel gibt zeigt auch die Gemeinde Teulada die nach einem ersten Feldversuch mit 96 Palmen nun weitere 100 Palmen mit dem Pilz Beauveria bassiana behandelt hat.
Erich Hübner